Katholisch zur Hälfte geht nicht

■ Seit ungefähr Mitte letzten Jahres gab und gibt es in den Medien immer wieder Berichte über die damals geplante und jetzt schon durchgeführte Amazonas Synode, die nämlich im Oktober 2019 in Rom tagte. Schon bei den Vorbereitungen darauf wurde viel diskutiert, wobei es hauptsächlich darum ging, ganz bestimmte feste Positionen des katholischen Glaubens in Frage zu stellen und zu erschüttern.
Dabei brachten die offiziellen Katholiken, die eher sehr modernistisch eingestellt sind, ihre starke Hoffnung zum Ausdruck, es würden im Zusammenhang mit dieser Synode die folgenden zwei Punkte geändert: sowohl solle der verpflichtende Zölibat der Priester abgeschafft als auch das Priestertum der Frau eingeführt werden. Unter Berufung auf den Priestermangel im betreffenden Amazonas-Gebiet solle nämlich zunächst einmal in jenem Bereich verheirateten Männern der Zugang zur Priesterweihe ermöglicht werden. Die zweite starke Forderung dieser „Reformer“ war, dass dann auch Frauen zunächst einmal zu Diakoninnen geweiht werden dürften.
Es ist ja klar, dass nach diesen sogenannten Zwischenstufen der Zölibat als verpflichtendes Keuschheitsgebot für die Priester auch überall in der Welt abgeschafft werden sollte bzw. dann auch die Forderung nach der Priesterweihe für die Frau erhoben würde. Träumen ja manche der extremsten Feministinnen von einer weiblichen Päpstin!
Die offiziellen Katholiken aber, die innerhalb der „Konzilskirche“ noch etwas „konservativer“ sind und somit einige der katholischen Positionen erhalten lassen möchten, sind wegen der betreffenden Diskussionen verständlicherweise in Aufregung geraten. Obwohl sie die betreffende häretische „Konzilskirche“ irrtümlicher- bzw. unverständlicherweise immer noch für die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche halten, haben sie in ihrem Herzen dennoch ein gewisses gesundes Gespür für das wahrhaft Katholische erhalten und bemängeln daher auch eine Reihe der bereits früher durchgeführten „Reformen“ der Modernisten.
Nun besitzt aber der Zölibat eine große Symbolkraft und unterstreicht mehr als etwas anderes das hohe und hehre Ideal des römisch-katholischen Priestertums! Eine ganze Reihe der offiziellen Bischöfe und Erzbischöfe der „Konzilskirche“ hat sich sowohl im Vorfeld der betreffenden Synode als auch danach vehement für die Annahme der betreffenden Änderungsvorschläge ausgesprochen, so dass sich dann auch die Amazonas-Synode selbst in ihrer Mehrheit der teilnehmenden Bischöfe dafür entschieden hat. Viele der etwas konservativer gesinnten Katholiken (innerhalb der „Konzilskirche“ wohlgemerkt) wurden stark verunsichert, zumal ja auch deren „Papst“ selbst generell als einer der größten Unsicherheitsfaktoren gilt, da er doch am laufenden Band viele der genuin katholischen Glaubensinhalte in Frage stellt und dann die ganze Sache theologisch-dogmatisch im Unklaren belässt.
Was für diese etwas konservativer gesinnten Katholiken spricht, ist die Tatsache, dass sie in den letzten Jahren auch Demonstrationen in manchen der großen Städte Südeuropas durchgeführt haben, wobei da auch zigtausende junger Menschen auf die Straße gegangen sind und für das Lebensrecht und gegen die Abtreibung bzw. auch für die Werte der Ehe und Familie demonstriert haben. Das kann man sich hier in Deutschland kaum vorstellen, bezeichnenderweise haben die hiesigen liberalen Massenmedien darüber auch kaum etwas bis nichts berichtet.
■ Wo diese Menschen das Richtige sehen, fordern, fördern und praktizieren (wenn auch nur teilweise), darin kann man sie nur ermuntern und unterstützen. Aber bei dieser ganzen Überlegung hier gibt es auch ein großes ABER! Dieses ABER soll hier am Beispiel des Protestantismus dargelegt und erläutert werden.
Martin Luther ist ja bekanntlich mit der Grundbehauptung aufgetreten, er bräuchte die ganze Kirche nicht – weder die Kirchenväter noch die liturgische wie theologische geheiligte Überlieferung –, da er persönlich ja alles besser wüsste. Hat ja Luther letztendlich sein eigenes privates Ich zur höchsten und letzten Instanz in Glaubens- und Sittenfragen erhoben. Er hatte da nämlich ursprünglich ein sehr ernsthaftes sittliches Problem, welches er nicht in den Griff bekommen konnte.
Statt aber Gott zerknirscht und demütig um Vergebung, Gnade und Kraft zu bitten, suchte er den Ausweg aus seinem großen Dilemma in der Behauptung, der Mensch könne sich innerlich grundsätzlich nicht bessern, um auf dem Weg der Heiligung seines Lebens voranzukommen. Er erscheine nur manchmal als gut (nach außen und zum Schein), insofern Gott nämlich bildlich gesprochen ein weißes Tuch über ihn lege, in seinem Herzen aber bleibe der Mensch immer nur böse und verdorben. Der Aufruf zur Heiligkeit – zum gewissenhaften Befolgen der Gebote Gottes und zum Tun guter Werke! – ist nach Luther nur Hochmut und Ausdruck eines falschen Glaubens, da der Mensch ja grundsätzlich nicht gut geschweige denn heilig werden könne.
Somit bestehe der „Glaube“ nach Luther letztendlich nur in der autosuggestiven Behauptung, dass man ja (dank des Erlöserwirkens Jesu) erlöst sei. Darüber hinaus bedürfte es keiner aufrechten Umkehr des Lebenswandels und keiner Werke der Gottes- und Nächstenliebe, welche Jesus allerdings im gesamten Evangelium von Seinen Jüngern ja unmissverständlich forderte!
Dieser schwerstmangelhaften Sicht Luthers fielen dann viele zentrale Bereiche der christlichen Moral, der katholischen Theologie und des liturgischen Lebens zum Opfer. Daher rühren dann auch sämtliche „Reformen“ dieses „Reformators“. Mit dem Geist des Evangeliums haben sie offenkundig absolut nichts zu tun, sondern sind hauptsächlich mit seiner mangelbehafteten Persönlichkeitsstruktur zu erklären.
■ Der neue Glaube Luthers verursachte dann in der Folge eine gewaltige Spaltung in der abendländischen Christenheit, die ja bis heute höchst schmerzhaft andauert. Auf der einen Seite der Katholizismus, der auf dem Fundament einer geheiligt-getreuen Überlieferung des geoffenbarten Glaubensguts Jesu Christi von den Aposteln über alle Jahrhunderte hindurch errichtet ist. Auf der anderen Seite der sogenannte Lutheranismus, dessen Wesenseigenschaft in der Ablehnung der Kirche als der von Jesus eingesetzten Heilsinstitution schlechthin besteht – als der Übermittlerin des Glaubenswissens und der Vermittlerin der Heilsgnaden (das hl. Messopfer und die Sakramente)! An die Stelle der Inspiration durch die Gnade des Heiligen Geistes trat bei Luther das individuelle Ich seiner Privatperson – er bräuchte ja die Kirche nicht und wüsste jetzt selbst alles viel besser!
Kein Wunder, dass dann auch andere Protestanten auftraten und eindeutig auf dem betreffenden häretischen Grundprinzip Luthers aufbauend noch weiter gegangen sind. Ein markantes Beispiel dafür ist Johann Calvin, der dann sogar auch noch die absolute Prädestination gelehrt hatte. Gott habe nach ihm schon in der Ewigkeit entschieden und bestimmt, wer gerettet werde und in den Himmel komme und wer verdammt werde und in die Hölle komme. Diese Frage nach der Rettung hänge in keiner Weise vom Menschen selbst ab, ob er nämlich aufrichtig glaube und sich mit der Einhaltung der Gebote Gottes und des Evangeliums um einen christlichen Lebenswandel kümmere oder nicht.
Nein, ein Mensch könne noch so sehr ehrlich und uneigennützig Werke der Gottes- und Nächstenliebe wirken und in seinem Herzen die Liebe Christi tragen; wenn Gott bestimme, dass er in die Hölle komme, dann komme er eben in die Hölle. Dagegen könne ein Mensch noch so sehr böse und sittlich verdorben sein, dass er etwa massenweise Mord begehe und die Menschen richtig terrorisiere; wenn Gott aber bestimme, dass er in den Himmel komme, dann würde das nach Calvin auch wirklich so geschehen. Man sieht, wie schrecklich und fundamental er da den christlichen Grundgedanken der Sittlichkeit pervertiert und Gott somit sogar zu einem schrecklichen Monster macht.
Was Luther angeht, so ist er selbst in dieser konkreten Frage nach der absoluten Prädestination nicht so weit gegangen wie Calvin. Somit könnte er im Vergleich zu Calvin – bitte richtig verstehen – noch als irgendwie „konservativ“ angesehen werden, um es mal so zu formulieren. Denn rein formal hat er ja einen Glaubensinhalt weniger komplett aufgegeben und somit noch irgendwie bewahrt.
Dadurch allein kann und darf Luther ja noch lange nicht als katholisch angesehen werden! Es ist nur so, dass eine ganze Reihe anderer Protestanten – alle seine geistigen Ziehsöhne! – seinem Grundprinzip der fundamentalen Ablehnung der lebendigen Glaubenstradition der katholischen Kirche als der Norm des Glaubens folgend dann in einigen weiteren theologischen Fragen noch weiter gegangen sind bei der Ablehnung des apostolischen Glaubens als er selbst und somit einen noch extremeren Protestantismus vertreten haben. In der Grundhaltung des Protestantismus aber stimmen sie alle überein (ob z.B. Lutheraner, Reformierte, Baptisten, Mennoniten, Zwinglianer, Pietisten usw.) , dass ihre eigene Meinung als Norm und Maßstab bei der Auslegung der Heiligen Schrift sozusagen gut und gern die sich essentiell in apostolischer Glaubensnachfolge stehende katholische Kirche ersetzen könne. Ob das dann denn nicht auch irgendwie Überheblichkeit und Hochmut wäre, die Kirche als die Heilsinstitution Christi durch das eigene Ich zu ersetzen?
■ Dieser Vergleich dient dann auch gut zur entsprechenden Bewertung des kirchlichen Status der konservativen Gemeinschaften innerhalb der „Konzilskirche“, die an sich schon noch eine katholische Intention zu haben scheinen und somit auch ehrlichen Herzens z.B. für den Erhalt des Zölibats der Priester eintreten oder sich auch gegen das Priestertum der Frau aussprechen. Diese Menschen meinen es insofern sicher gut und richtig. In Bezug darauf kann man ihnen sehr wohl zustimmend die Hand schütteln und sie in den betreffenden Bemühungen unterstützen.
Nur beschränkt sich die Frage nach der Kirche und der legitimen Zugehörigkeit zu ihr nicht auf diese zwei Bereiche. Somit versteht man auch nicht wirklich die Begeisterung mancher aus diesen Kreisen, die voll Freude darauf hingewiesen haben, dass ihr „Papst Franziskus“ Anfang 2020 eine Stellungnahme veröffentlicht hat, in welcher er die bisherige Zölibat-Regelung in Kraft belassen und die Frage nach dem Priestertum der Frau überhaupt nicht erwähnt hat. Dies bedeute ja ebenfalls, dass da nichts Wesentliches geändert werde.
Darf man diese zwei Entscheidungen aber wirklich als einen großen Sieg interpretieren? Auch wenn es sicherlich gut ist, dass in dieser Hinsicht wenigstens zur Zeit nicht noch ein-zwei weitere Brüche mit der kirchlichen Glaubenstradition vollzogen wurden, muss man sich doch die andere und eben grundsätzliche Frage stellen: Ist denn der jetzige Zustand der „Konzilskirche“ aus katholischer Sicht gut oder wenigstens halbwegs zufriedenstellend?
Wurde ja das Grundprinzip des kirchlichen Modernismus in dem seit Ende der 1950-er Jahre von Johannes XXIII. so fleißig propagierten Spruch nach einem „Aggiornamento“ formuliert. Dieses Prinzip des Aggiornamento birgt in sich einen analogen fundamentalen Bruch mit der Kirche wie der Verweis Luthers auf sein eigenes Ich anstelle der Kirche als der entscheidenden Norm des Glaubens, der Sitten und der Liturgie.
Denn dieser Slogan formuliert die angebliche Notwendigkeit, dass sich die Kirche an die geistig-mentale Welt anpasse. Die Kirche müsse sich erneuern und die Impulse dazu unbedingt auch von einer Welt holen, die heute ja erwiesenermaßen - das wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln -, alles andere als vom christlichen Grundgedanken erfüllt ist und stattdessen nur dem Götzen eines unchristlich-liberalen Zeitgeistes frönt. Und das seien dann die Ideengeber für die „Erneuerung“ der Kirche.
Natürlich besteht immer Bedarf an einer Erneuerung der Kirche, allein schon deswegen, weil sie aus sünd- und fehlerhaften Menschen besteht. Aber wir als Kirche sollen uns im Heiligen Geist erneuern, eben unter geistig-intensiver Besinnung auf das, was Jesus Christus gelehrt hat und uns dann über alle Jahrhunderte hindurch in der lebendigen Tradition der Kirche überliefert worden ist! Es ist primär der Apostolische Glaube und die Lehre des Evangeliums, auf welche wir unseren Geist täglich in Betrachtung und Gebet von neuem richten sollen.
Der Geist des liberalen Aggiornamento verlangt aber, dass wir unsere Glaubenslehren und moralischen Grundsätze in Entsprechung zur Meinung einer ungläubig gewordenen Clique ändern, die die öffentliche Meinung in der Gesellschaft beherrscht und kontrolliert. Was kann denn dann vom echten und wahren katholischen Glauben mit der Zeit überhaupt noch übrigbleiben?
Ein Priester berichtete einmal vor über 30 Jahren über eine Begebenheit während einer Audienz eines Bischofs um 1960 herum beim Roncalli-Papst, Johannes XXIII. Da habe dieser Bischof Roncalli gefragt, weshalb denn das „2. Vatikanische Konzil“ einberufen werden solle. Denn es bestünde ja keine dogmatische Notwendigkeit dazu. Da sei dann Joh. XXIII. ohne Worte zu einem Fenster gegangen und habe es geöffnet. So habe er sagen wollen, dass die Kirche eben frische Luft bräuchte. Nur, fügte dann der betreffende Priester hinzu, sei keine frische Luft in die Kirche hineingelangt, sondern die giftigen Abgase der Welt, die sich „in Finsternis und Todesschatten“ (Lk 1,79) befindet!
Es gibt ja nicht gar so wenige unter den etwas weniger liberal eingestellten offiziellen Katholiken, die darauf verweisen, dass Josef Ratzinger als Benedikt XVI. „konservativer“ gewesen sei. Worin bestand denn sein „Konservatismus“? Er hat in einigen Einzelfragen eigentlich nur ein bisschen weniger radikal gesprochen – wie Luther im Vergleich zu Calvin. Aber er hat vom Prinzip her genau dieselben Ideen bejaht und verfolgt, welche durch den Geist des „Aggiornamento“ und das Vatikanum II. vorgegeben waren. So war es unter ihm absolut erforderlich, das häretische „Konzil“ anzunehmen und die „neue Messe“ anzuerkennen.
Manche würden einwenden, er habe ja aber auch die Messe von 1962 gestattet. Ja, aber doch nur unter der Auflage, dass man ohne Wenn und Aber die Novus-Ordo-Eucharistiefeier anerkenne und zwar sogar als eine die Norm darstellende Messe. Was ist denn dadurch überhaupt gewonnen, wenn man erklärt, das Richtige sei nur dann statthaft, wenn man zugleich auch das Falsche gutheiße und dieses Falsche sogar mehr Geltung als das Richtige besäße?
In gewisser Hinsicht ist Bergoglio viel ehrlicher, weil er noch deutlicher ausspricht, um was es dem modernistischen Ungeist eigentlich geht – um die Zerstörung des auf Gott hin ausgerichteten, überlieferten katholischen Glaubens und die Einführung eines „Glaubens“, in welchem der Mensch das Zentrum bilde. Der eine ereifert sich dann darin halt energischer und der andere in einer leicht abgeschwächten Form.
Es wird sicher irgendwann auch der verheiratete Priester kommen und auch das sogenannte Priestertum der Frau. Jetzt wäre die Akzeptanz für das letztere noch nicht stark genug unter dem Volk. Man müsse es halt durch entsprechende Propaganda noch etwas länger darauf vorbereiten bzw. dieses „weichkochen“. Will man ja dann nicht zu viel Inakzeptanz und Protest verursachen.
Denn man hat sich ja schon sozusagen zu Beginn der eigenen Entstehung vom Felsen abgespalten, auf welchem die wahre Kirche Jesu von Ihm gegründet worden ist – durch den Bruch nämlich mit der lebendigen Überlieferung der Kirche in Lehre, Moral und Liturgie, wodurch ja für den eigenen Bereich die Zerstörung der Apostolizität vollzogen worden ist! Danach ist es nicht mehr so wichtig, ob jemand etwas mehr oder weniger „modernistisch-liberal“ sei – die Lawine ist bereits grundsätzlich losgelassen worden!
Bei den Protestanten spielt es ja ebenfalls keine so große Rolle mehr, ob jemand der Lehre des „ganz extremen“ Protestanten Calvin oder der des in ein-zwei Fragen „leicht weniger extremen“ Protestanten Luther folgt. So folgen ja sowohl Bergoglio als auch vorher schon Ratzinger, Wojtyla, Montini und Roncalli – alle innerhalb der „Konzilskirche“, die sie alle dann auch noch leiteten! – einem grundverschiedenen Verständnis von Kirche und ihrem Grundanliegen. Denn statt, zusammenfassend formuliert, Jesus Christus, den Göttlichen Erlöser, konsequent zu bekennen und anzubeten, haben sie alle in der einen oder anderen Form primär die Anbetung des Zeitgeistes auf ihre Fahnen geschrieben.
So sehr einem jene der offiziellen Katholiken, die noch etwas „konservativer“ denken und weiteren durch „wilde Modernisten“ bezweckten Schaden vom Katholizismus als solchem abhalten wollen, sympathisch erscheinen können, muss man sie auch unbedingt darauf hinweisen, dass ein bisschen „Konservatismus“ nicht ausreicht für die Heilung der gesamten stark blutenden Wunde, die da am Körper der katholischen Kirche als Heilseinrichtung Jesu Christi gerissen worden ist.
Ja, sie unterstützen jene Priester und Bischöfe, die noch Mut haben, manche ganz schlimme moralische, dogmatische und liturgische Entartungen der Modernisten anzusprechen bzw. diese und dann sogar auch Teile des Vatikanum II. als Bruch mit der Tradition der Kirche zu kritisieren. Soweit natürlich gut.
Nur besteht das Problem ja darin, dass in der Zwischenzeit praktisch alle diese Kleriker leider keine gültig geweihten Bischöfe mehr sind und praktisch alle, die unter 75 Jahren alt sind, auch keine gültige Priesterweihe mehr erhalten haben!
Kürzlich haben einige dieser „konservativen“ katholischen Christen ein Video aufgenommen, in welchem sie erklären, dass sie nur die Mundkommunion praktizieren und somit die Handkommunion ablehnen. Sicher mutig und lieb. Nur besteht ihr großes Dilemma doch darin, dass sie in den allermeisten dieser Fälle keine gültige hl. Kommunion empfangen, da nach der Lehre der katholischen Kirche falsche Wandlungsworte (der „neuen Messe”) in jedem Fall keine gültig Konsekration des Leibes und Blutes Christi zulassen!
Wie es niemals genügt, z.B. ein Krebsgeschwür bei einem Kranken nur zu einem Teil (etwa zu 20%, 35% oder sogar zu 85% oder 97%) herauszuschneiden, so reicht es auch nicht aus, sein Augenmerk bei einer äußerst schweren Glaubens- und Kirchenkrise, die nämlich das Wesen davon betrifft, stärker auf Symptome und Folgeerscheinungen der betreffenden schweren „Krankheit“ zu richten und da herumzudoktern, statt sich doch primär den eigentlichen Ursachen davon zuzuwenden, um möglichst diese aus der Welt zu schaffen!
Unter den Protestanten gab es ja ebenfalls solche, die dann später vielleicht doch lieber katholisch geblieben wären. Sogar die entlaufene Nonne Katharina, die dann später als „Ehefrau“ mit Luther zusammenlebte, beklagte einmal die schlimmen Sitten unter den Protestanten und meinte, unter den Katholischen sei es da besser (gewesen).
Aber nur solche davon, die dann der häretischen Lehre des Protestantismus als ganzes abgeschworen und sich (wieder) voll und ganz dem Katholizismus zugewandt haben, sind dann vollwertig Kinder der wahren von Jesus gestifteten katholischen Kirche geworden! Wer aber weitestgehend nur seine Kritik an dem oder jenem am Protestantismus geäußert hatte, aber letzten Endes dennoch bei ihm geblieben war, hat das rettende Ufer nicht erreicht.
Sicher sollen wir für alle, die bereits manches an dem verderblichen Kurs der modernistischen „Konzilskirche“ erblickt haben und aus ehrlicher Sorge um die Sache Christi und der Kirche kritisieren, auch aufrichtig beten, damit sie in diesem Zusammenhang dann auch den vollen Weg zum authentischen Katholizismus gehen und somit u.a. auch weitere essentiell-wichtige Erkenntnisse vollziehen, die zwar auch sehr schmerzhaft sein können, aber sich letztendlich doch höchst heilsam erweisen werden! Sind ja viele von uns bereits selbst einen solchen Weg gegangen, der zwar steinig und „schmal“ (vgl. Mt 7,14) ist, aber zur vollen „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) führt! Denn wahrhaft katholisch kann man entweder ganz sein oder eben nicht.

P. Eugen Rissling

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